Annaberg-Buchholz Ausstellungen

Womit unsere Großeltern spielten – historisches Spielzeug aus heimischen Stuben

Januarausstellung 2010
Große Januarausstellung vom 09. bis 31.01.2010 im Haus des Gastes Erzhammer in Annaberg-Buchholz

Historische „Kinderwelten“ vom 9. bis 31. Januar in Annaberg-Buchholz „Womit unsere Großeltern spielten“ zeigt Spielzeug aus zwei Jahrhunderten

Seit Jahren zieht sie Tausende Gäste aus Nah und Fern in ihren Bann. Die Rede ist von der traditionellen Januarschau in Annaberg-Buchholz.
Erzgebirgische Volks- und Holzkunst wird dabei in großer Vielgestaltigkeit und Bandbreite ausgestellt. Jedes Jahr steht ein anderes Thema im Mittelpunkt. Pyramiden und Lichterträger, bergbauliche Darstellungen und Weihnachtskrippen begeisterten bisher die Besucher.
In diesem Jahr will man im Haus des Gastes Erzhammer nicht nur Kinderaugen zum Strahlen bringen. Unter der Überschrift „Womit unsere Großeltern spielten – historisches Spielzeug aus heimischen Stuben“ werden Kindheitsträume nochmals zur Wirklichkeit. Auf rund 800 Quadratmetern lädt ein großes „Kinderspielhaus“ zum Schauen und Staunen ein. Ungezählte Exponate aus dem gesamten Erzgebirge lassen eine wahre Traumwelt entstehen.

Vom 9. bis zum 31. Januar 2010, täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr gibt es in beiden Sälen des Erzhammers ein überaus breit gefächertes Spektrum zu bestaunen. Sechs Themenkomplexe zeigen Spielzeug aus zwei Jahrhunderten.
Die ältesten Stücke stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die jüngsten aus dem Jahr 1965. „Das Kind erbaut sich seine Welt“: Unter dieser Rubrik sind Bauernhöfe und malerische Dorflandschaften, wunderbare Paradiesgärten und ganze Archen mit zahlreichen Tierarten zu bestaunen. Das Thema „Die künftige Mutter und Hausfrau“ wird mit liebenswerten Puppen und Teddys, Puppenstuben und Kaufmannsläden in vielfältiger Weise dargestellt.
Außerdem werden zahlreiche Spiele aus Historie und Gegenwart gezeigt. Klang- und Bewegungsspiele, Brettspiele und Musikinstrumente lassen alte Zeiten noch einmal lebendig werden. Postkutschen und Eisenbahnen, Autos und Dampfmaschinen im Miniaturformat geben Einblicke in historische Technik und beliebtes Kinderspielzeug.
Darüber hinaus zeigt das Thema „Soldaten für das Vaterland“, wie Spielzeug für politische und ideologische Zwecke instrumentalisiert wurde. Burgen und Festungen, Soldaten und Waffen machen deutlich, wie Kinder bereits in jungen Jahren auf subtile Weise für militärische Themen sensibilisiert werden sollten.

Auch vor diesem Hintergrund geht die Ausstellung weit über possierliche oder niedliche Darstellungen hinaus. Neben der Reverenz an alte Spielzeugproduzenten will sie pädagogische Themen vermitteln und zum Nachdenken über den Sinn des Spiels im Allgemeinen anregen.
Die diesjährige Januarschau „Womit unsere Großeltern spielten“ ist ein Tipp für die ganze Familie. Um diese Zielgruppe zu unterstützen, wird Kindern bis 14 Jahre freien Eintritt gewährt.
Besondere Highlights für die Jüngsten sind die große Puppenstube und die begehbare Ritterburg, in der Kinder inmitten in der großen Spielzeugschau selbst aktiv werden können.

Parkplätze für Besucher sind u. a. in der Tiefgarage unter dem Annaberger Markt, auf dem Parkdeck „Karlsplatz“, im Parkhaus „Altstadt“ an der B 101 sowie an innerstädtischen Hauptstraßen nutzbar. Vom Kätplatz verkehrt ein City-Bus ins Annaberger Stadtzentrum.

Jahrhundertealte erzgebirgische Spielzeugtraditionen

Die Spielzeugproduktion im Erzgebirge hat eine lange Tradition. Bereits im 18. Jahrhundert begann der erzgebirgische Bergmann, einfache Holzspielwaren zu fertigen. Unsichere Ausbeuten und wirtschaftliche Not zwangen ihn, nach Nebenerwerbsquellen zu suchen. Das Drechslerhandwerk bot dafür eine gute Möglichkeit. Vor allem Seiffen entwickelte sich zu einem Zentrum der Holzspielwarenproduktion. Über Verlagshäuser gelangten die erzgebirgischen Spielwaren auf große Messen wie z. B. in Leipzig und Nürnberg.
Exportartikel wurden bis nach Übersee verschickt. Hohe Qualität, individuelle und vielfältige Gestaltung sorgten für eine hohe Nachfrage.

Aus einer Grundform, der so genannten Nürnberger Docke wurden u.a. Puppen für die Mädchen und ganze Regimenter von Soldaten für Jungen geschaffen.
Sehr beliebt waren Tiere aller Art, die auf Miniatur-Archen und –Bauernhöfen ihren Platz fanden. Mittels einer speziellen Technik, dem
Reifendrehen, gewannen die Drechsler aus einem Holzring bis zu 60 Rohlinge für Figuren. Zusammen mit Bäumen, Häusern und Pferdegespannen und anderen Fahrzeugen konnten die spielenden Kinder damit ganze Szenen, Dorflandschaften oder Paradiesgärten gestalten. Außerdem entstanden Puppenhäuser, Kaufmannsläden und Baukästen, Spieldosen, Hampelmänner und Klimperkästen sowie bewegliches und klingendes Spielzeug. Mit Tausenden von Produkten erreichte die erzgebirgische Holzspielwarenproduktion eine überaus große Vielfalt.

Die Ausstellung „Womit unsere Großeltern spielten – historisches Spielzeug aus heimischen Stuben“ ist eine großartige, liebenswerte und lehrreiche Retrospektive über ein traditionsreiches Handwerk im Erzgebirge.