Annaberg-Buchholz Glück-Auf!-BLOG

Trauriges Jubiläum

Zehn Jahre ist es nun her, da die Arbeiten zum Umbau des Annaberger Marktplatzes begannen und unter diesem eine Tiefgarage errichtet wurde. Doch schon sehr bald stellte sich heraus, dass die Arbeiten wohl nicht so durchgeführt wurden, als dass dieses Bauwerrk ewigen Bestand haben könnte.
Ich hatte seinerzeit den kompletten Bau verfolgt und 365 Fotos davon geschossen. Einige habe ich jetzt auf Flickr eingestellt und hier mit eingebunden. Wer alle Fotos anschauen möchte, hier der direkte Link zur Galerie.
[flickr]set:72157626439855570[/flickr]

Am 30. Januar 2008 machte ich dann wieder mal ein Foto, welches die Lücken zwischen den einzelnen Bauelementen deutlich aufzeigt. Man konnte seine Hand komplett in diese Lücken schieben. Das Bauwerk wurde immer mehr baufällig und muss bereits seit 2007 innen durch zusätzliche Holzpfosten gestützt werden.

Gestern nun begannen die ersten Vorbereitungen für die Reparaturarbeiten. Hierzu gibt es folgende Pressemitteilung der Stadt Annaberg-Buchholz:

    Sanierung der Tiefgarage unter dem Annaberger Markt ab 4. April 2011
    Veranstaltungen und Märkte finden wie gewohnt statt

    Ab Montag, dem 4. April 2011 beginnen die Stadtwerke Annaberg-Buchholz mit der Sanierung der Tiefgarage unter dem Annaberger Markt. In vier Abschnitten sollen bauliche Schäden in diesem und im nächsten Jahr in Ordnung gebracht werden. Vom 4. April bis voraussichtlich 23. Juli 2011 wird zunächst im nordwestlichen Teil des Marktes gebaut. Für den Verkehr gibt es in diesem ersten Bauabschnitt – bis auf eine kleine Einengung in der Marktumfahrung – keine Einschränkungen.

    Veranstaltungen auf dem Annaberger Markt, wie z. B. das Porsche-Treffen und die Maibaumaufstellung am 30. April, das Familienfest des DGB am 1. Mai oder die Modenacht am 4. Juni finden wie gewohnt statt. Lediglich die Piazza, bei der der gesamte Markt benötigt wird, soll in diesem Jahr ausnahmsweise pausieren.

    Wochenmärkte können wie gewohnt jeden Dienstag und Freitag von den Bürgern genutzt werden. Durch die Baumaßnahmen müssen einige Stände anders gruppiert werden.
    Ohne Einschränkung finden auch die Trödelmärkte statt, die von April bis September jeweils an den ersten Samstagen im Monat auf den Annaberger Markt einladen.

    Geringe Einschränkungen gibt es bei den Stadtmärkten, die an jedem ersten Dienstag des Monats mit einem erweiterten Angebot aufwarten. Die Breite des Sortiments wird beibehalten, allerdings muss die Anzahl der Stände etwas reduziert werden. Gleiches gilt für den Frühjahrs- und den Sommermarkt.

    Der Bauernmarkt findet vom 1. bis 3. Oktober wie gewohnt statt. Die Bühne wird dabei wie gewohnt in der Nähe des Schlecker-Marktes aufgestellt. Stände werden aufgrund der Baustelle etwas anders gruppiert.
    Geplant ist, den Bauzaun künstlerisch zu gestalten. Mit einer Art „Innenstadtgalerie“ soll dabei ein neuer Anziehungspunkt in der Annaberger Altstadt geschaffen werden.

    Im Auftrag Matthias Förster – Pressestelle“

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Allerdings haben die Bürger der Stadt viele Fragen zu diesem Thema, welche leider nicht mit dieser Pressemitteilung beantwortet werden. Hier einmal ein paar wenige dieser Fragen:
– Wer ist für die Baumängel verantwortlich, die seinerzeit ausführende Baufirma oder der/die Architekten?
– Wer hatte nach Fertigstellung der Tiefgarage die Abnahme vorgenommen?
– Wer kommt für die nun entstehenden Reparaturkosten auf und wie hoch belaufen diese sich eigentlich?
– Gab es eine Ausschreibung für die jetzigen Reparaturarbeiten oder wurden diese direkt an die HTA vergeben?

Ich werde versuchen, auf diese Fragen Antworten zu bekommen. Das Rathaus ist schließlich für jedermann offen, so man denn hinein geht. 🙂

8 Kommentare

  1. Ich hatte vorgestern am Rande des Marktes ein Gespräch mit dem Stadtrat Gerd Rehm. Dabei habe ich folgendes erfahren, die Kosten sollen sich wohl auf ca. 660000 € belaufen und von den Stadtwerken Annaberg übernommen worden sein oder werden. Bis in zu 5 Meter Tiefe müssten die Mauern erneuern werden und das in 4 Bauabschnitten. Die verantwortlichen Firmen, die einst den Bau Projektiert und gebaut hatten, wären Pleite oder es gäbe sie nicht mehr.
    Meine Frage, warum denn immer die billigsten Angebote durch die Stadt angenommen werden (müssen?), bekam die Antwort: „Wer billig baut, zahlt doppelt.“ Dem kann ich nur beipflichten.
    Wollen wir doch mal hoffen, dass die Lösung jetzt, länger als 10 Jahre halten möge 🙂

  2. Die 660.000€ (eine reine Kostenschätzung zum derzeitigen Zeitpunkt) werden wohl kaum reichen. Meines Erachtens sind vom Planer grundlegende Fehler gemacht wurden. Das was Annaberg bekommen hat, ist geomechanisch gesehen eine sich zusammenfaltende Pappschachtel die den Belastungen aus dem Untergrund nicht standgehalten hat/ standhalten wird. Um es für jeden leicht verständlich auszudrücken: Aufgrund der Hanglage (der Berg drückt aus Richtung Grosse/Kleine Kirchgasse) gegen eine „Zahnlücke“ und versucht diese wieder mit Material zu verschließen bzw. Richtung Stadtbad/Bergkirche wegzuschieben. Da aber bei der Erstellung der Tiefgarage aus welchen Gründen (Zeiteinsparung/Kostenreduzierung) auch immer auf eine rückverankerte, überschnittene Bohrpfahlwand verzichtet wurde, werden die Belastungen aus dem Berg in unterschiedlichen Abschnitten direkt in das Bauwerk eingeleitet, die schließlich zu Verwerfungen der Fertigteile, Setzungen des Garagenbodens und Rissen in der „Marktplatte“ führen. Wenn ich sehe, wie damals die Fertigteile nur auf eine dünne kleine Sauberkeitsschicht jeweils aufgestellt wurden, überkommt mich ein kalter Schauer. Meiner Ansicht nach hätte nur eine in sich versteifte und ausgegossene Fundamentplatte welche an allen Seitenwänden direkt mit einer Bohrpfahlwand eingebunden wäre die Belastungen ausgehalten. Die in sich armierte Marktdecke hätte dem ganzen dann die Steifigkeit verliehen. Somit wären alle Belastungen direkt ins Gebirge eingeleitet wurden und nicht ins Bauwerk, welches sich aufgrund dieser fehlenden Steifigkeit schlussendlich verformt hat.
    Stellt sich nun die Frage warum man nicht auf die warnenden Bodengutachter gehört hat. Nun ja man wollte ganz gezielt eine Tiefgarage mit einer Ebene konstruieren, die möglichst innerhalb eines Jahres erstellt werden konnte. Man befürchtete nämlich bei umfangreichen Spezialtiefbau arbeiten (Erstellen Bohrpfahlwand und Einbau Gebirgsanker) auf Altbergbau zustoßen, der zum einen einen erheblicheren, finanziellen Mehraufwand und zum anderen eine immensen Zeitverzug ergeben hätte. Zudem kann ich mich erinnern, dass über dem Ganzen stets das Damoklesschwert einer Weihnachtsmarktabssage im Jahr 2001 hing, die die damaligen Stadtverantwortlichen unbedingt verhindern wollten und so diesen faulen Kompriss eingingen, der 10 Jahre später eine Unmenge Geld bei der Sanierung schlucken wird. Tja die HTA wirds freuen, auch wenn sie bestimmt nicht die Fachfirma ist, der man eine solche notwendige Sanierung zutraut. Das der Bau einer großen Tiefgarage im Erzgebirge funktionieren kann zeigt das Beispiel der Tiefgarage der Sparkasse an der Großen Kirchgasse (Einfahrt über Kupferstrasse) Dort vertraute man zwar auf einen rückverankerten Berlinerverbau (HEB-Träger mit gestossen Holzbohlen) und nicht auf eine überschnitte Bohrpfahlwand, dort zeigt sich aber bis zum heutigen Tag keine einzige Verwerfung bzw. Rissbildung. Wohl auch, weil hier eine komplett ausgesteifte Bodenplatte aus Ortbeton eingebaut wurde und man bei tragenden Teilen auf Ortbeton und nicht so wie beim Markt auf Fertigteile setzte.
    Ich bin gespannt wie sich die Arbeiten entwickeln werden. Wetten ob der Weihnachtsmarkt 2011 auf dem Marktspiegel in vollem Umfang veranstaltet werden können, werden angeblich schon wieder angenommen.

    Mit freundlichen Grüßen und Glück Auf
    Frank

    P.S. Übrigens die damals ausführende Firma, mag es zwar nicht mehr geben, die daraus wiedergeborene Nachfolgegesellschaft ist gerade dabei den Schutzteich zu sanieren. Im Zweifelsfall bitte Logo-Layout und Anschrift in Schwarzenberg vergleichen… Bin gespannt ob in 10 Jahren die Anwohner auf der Mariengasse nasse Füsse bekommen?

  3. Nun war ich heute sowohl auf dem Marktplatz (siehe Foto) als auch im Rathaus.
    In letzterem erführ ich, dass die Stadtwerke der Bauherr sind und mir somit eventuell meine Fragen beantworten könnten.
    Naja, dann werde ich dies eben mal in Kürze versuchen.

  4. Folgende Email habe ich freundlicherweise von Herrn Tottewitz erhalten:

      „Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Jacobi, wie versprochen möchte ich Ihnen einige Antworten für Ihren Annaberger Blog geben.
      Zunächst möchte ich nochmals erklären, daß wir uns in den juristischen Auseinandersetzungen bereits befinden (sowohl mit den Baufirmen bzw. dem Planer/Bauüberwacher) und wir aus Gründen unserer eigenen Verteidigungsstrategie nicht alle Aspekte öffentlich kundgeben werden. Bitte haben Sie Verständnis dafür.

      Zu 1. Für die von uns aufgezeigten Baumängel sind sowohl der Planer /Bauüberwacher als auch die Baufirmen verantwortlich.
      zu 2. Die Bauabnahmen wurden vom Bauüberwacher mit dem Bauherren vorgenommen
      zu 3. Vorläufig kommt der Eigentümer (SWAB) für die Beseitigung der Mängel auf, somit wird die Tiefgarage in den Sollzustand wieder versetzt. Die enstehenden Kosten werden im Rahmen der juristischen Verfahren eingeklagt.
      zu 4. Für sämtliche von uns derzeitig beauftragte Leistungen wurde in der Region eine Ausschreibung durchgeführt und entsprechende Beauftragungen vorgenommen.
      Einen schönen Tag noch.

      Mit freundlichen Grüßen
      Jörg Tottewitz“

  5. Ich kann im Moment den Kommentar von David Müller nicht ganz nachvollziehen.
    1. HTA ist Hoch-Tiefbau Annaberg (Sitz in der Haldenstraße)
    2. SWAB ist die Abkürzung von Stadtwerke Annaberg-Buchholz.
    Diese sind derzeit an der Reparatur beteiligt bzw. finanzieren diese. Ob am Ende eventuell die Gelder jene der Steuerzahler sind, weil die SWAB eine Tochtergesellschaft der Stadt sein soll, ist durchaus möglich.

    Und wenn ich den Kommentar von Frank anschaue, muss man tatsächlich fragen, ob es bei uns hier eine Firma gibt, die das so bauen kann, wie es eigentlich sein müsste. Als große Baufirma in Annaberg fallen mir da derzeit nur Rebentisch und Zimmermann ein, wobei die wohl aber mehr im Straßenbau tätig sind.

  6. Nun habe ich mir doch einmal die Mühe gemacht, um herauszubekommen, wer bzw. was die HTA derzeit ist und macht.
    Zunächst einmal ist deren Webseite hta-annaberg.de leer. Also habe ich nach dem Geschäftsführer gesucht und bin auf Jörg Bergelt gestoßen. Und da bringt mir google auch wieder nur Daten, welche mich zum Fragen anregen:
    1.) http://www.firma-bergelt.de – nicht anklicken, geht nicht.
    2.) Jörg Bergelt Trockenbau (Auerbach/E.) – auch die gibt’s nicht mehr (wird wahrscheinlich die gleiche Firma gewesen sein
    3.) Jörg Bergelt, Mike Bergelt Grundstücks und Planungs GbR – auch hier findet man außer der Adresse nichts im Internet
    4.) zumindest beide Bergelts im Tischtennisclub aktiv. 🙂

    Diese Suche brachte mir also nicht. Nun weiß ich aber, dass die HTA auch die Festhalle saniert. Ist auch nicht verwunderlich, denn auch hier ist der Auftraggeber Jörg Tottewitz, Geschäftsführer der SWAB. Allerdings muss hier gleich dazu gesagt werden, dass Herr Tottewitz Mitglied im Aufsichtsrat dieser Festhallen-Genossenschaft ist.

    Aber mir sind fünf Dinge aufgefallen:
    1.) Bei der Sanierung der Festhalle kann man in aller Seeleruhe zuschauen.
    2.) Auf dem Markt kann man dies nicht, dafür sorgt zum einen diese stilistisch sehr anspruchsvolle Bretterwand, zum anderen aber ein Wachschutz. Gibt es da was zu verheimlichen und wer bezahlt diese zusätzlichen Kosten? Die sind ja nun wahrlich nicht als Baukosten oder Reparaturkosten zu werten, oder doch?
    3.) In der obigen Presseerklärung steht am Ende: „Geplant ist, den Bauzaun künstlerisch zu gestalten. Mit einer Art „Innenstadtgalerie“ soll dabei ein neuer Anziehungspunkt in der Annaberger Altstadt geschaffen werden.“
    Ja wann soll das denn passieren? Ist da doch ein weitaus längerer Zeitraum geplant? Eine Baustelle als Anziehungspunkt? So ein Quatsch. So, wie es jetzt auf dem Markt aussieht, ist die ausführende Firma wohl doch nicht mit dem notwendigen NowHow ausgestattet und das könnte ewig dauern.
    4.) Sonst sieht man immer bei so großen Baustellen Plakate bzw. Aufsteller, wer hier was macht und wer das beauftragt hat (solche stehen auch am Schutzteich oder z.B. bei den Löchern, welche von der Bergsicherung gesichert bzw. zu gemacht werden). Warum nicht auch auf dem Markt?
    5.) Ich habe mir mal die Antworten von Herrn Tottewitz zu Gemüte geführt und weiß nun genauso viel wie vorher, nämlich nichts bzw. nicht viel mehr.
    Das ist doch keine Transparenz. Weiterhin darf munter spekuliert, welche Kosten denn nun geplant sind. Diese Frage war ja nun eindeutig. Auf den Kommentar von Frank ist er z.B. überhaupt nicht eingegangen. Kann es sein, dass diese Tiefgarage am Ende teurer wird wie wenn man eine neue dorthin hätte bauen lassen? Natürlich von einer Firma, die davon auch was versteht…

  7. Es tut sich was auf dem Markt. In der Bretterwand sind nunmehr Guck-Löcher. 🙂
    Solche habe ich schon mal auf Baustellen in Chemnitz und Dresden gesehen. Jeder kann jetzt verfolgen, was sich im Laufe der Zeit bei den Bauarbeiten tut.
    Auch ist die Wand nicht mehr restlos kahl. Ein Hinweis auf den Familientag am 1. Mai ziert eine der Seiten.
    Die ersten Fotos von den Reparaturarbeiten sind in dieser Galerie.

  8. Ich habe das vergangene Wochenende genutzt und mal das Baufeld besichtigt, mit dem Ergebnis, dass ich jetzt noch mehr Fragen habe.
    Da ich weder die Ausführungs- noch Bauzeitenpläne kenne, kann ich mir kein Urteil zu den derzeit durchgeführten Arbeiten erlauben. Um die Diskussion zu diesem Thema aber dennoch weiter zu führen möchte ich aber dennoch meine Sicht der Dinge hier kurz aufzeigen.
    Es sieht alles danach aus, als ob man plant/ versucht die aufgestellten Fertigteile neuauszurichten, bzw. die aufgegangen Spalten und Risse zuverfüllen bzw. aus zubessern. Dies würde auch erklären warum die SWAB auf die HTA zurückgreift. (HTA ist zum größten Teil im Hochbau tätig).
    Meiner Meinung nach ist dies eine hilflose Maßnahme um lediglich die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erlangen bzw. zu zeigen, dass die SWAB als Eigentümerin für eine weitere Nutzung die notwendige, kosmetische Sicherheit wieder herstellt. Es macht halt einen gewissen, negativen Eindruck, wenn der Nutzer große, provisorische Kanthölzer-Fachwerke im Parkraum sieht und sich so Gedanken zur Standsicherheit machen muss. Ich gehe zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber augenscheinlich davon aus (ohne die Kenntnis von Bauwerksgutachten zu haben), dass die Tiefgarage statisch standsicher ist. Die eingebauten zusätzlich Holztragwerke dienen der Lastverteilung im Bauwerk um die Punktbelastung aus den Seitenwänden in das Bauwerk einzuleiten. Wie gesagt bekämpft man mit solchen Arbeiten nur die auftretenden Symptome, die Ursache nämlich das schiebende Gebirge blendet man zum gegenwärtigen Zeitpunkt vollkommen aus. In meinen Augen ist dies eine sinnlose und teure Rumdoktorei, die dazu zuführen wird, dass Folgeschäden (Hebungen, Setzungen, Rissbildung durch Wassereintrag, Frostsprengung, etc. )im Ergebnis dieser Arbeiten sowohl im Parkraum als auch auf dem Marktspiegel entstehen werden. (ohne Kosmetik hätte man diesen Zustand sicherlich auch früher oder später erreicht)
    D.h. Annaberg wird sich auf eine Dauerbaustelle im Stadtzentrum einstellen müssen! Der Weitsicht der damaligen Verantwortlichen sei Dank.

    Ich weiß nicht warum immer (fast) alle Einheimischen denken, man könne solche (großen) Bauprojekte mit ortansässigen, einheimischen Baufirmen abwickeln? Das ist ein großer Trugschluß, der von einem gehörigen Mass Dummheit und Arroganz zeugt.
    Wir reden hier nicht von einem kleinen Einfamilienhäuschen auf der grünen Wiese oder von einer zweispurigen Dorfverbindungsstrasse mit etwaigen Granitpflasterarbeiten. Hier gehts um Gebirgsmechanik, komplizierten Ingenieurbau, um Grundbau und Spezialtiefbau, der von der vorherrschenden Geologie gefordert wird. Und soweit ich ich informiert bin, kann keine einheimische Baufirma dies durchführen. Dies ist höchstens mit anderen, speziallisierten Baufirmen in Arbeitsgemeinschaft oder als Subunternehmen möglich. Die hier angesiedelten Firmen sind dafür in keinster Weise weder personell noch technisch ausgerüstet. Die Fa. Rebentisch ist ebenfalls wie die HTA im Hochbau aktiv wobei ein kleiner Anteil im Tiefbau verdient wird. Und die Fa. Zimmermann ist ein reines Straßenbauunternehmen.
    Für solche Baumaßnahmen gibt es in ganz Deutschland große Bauunternehmen, die genügend Erfahrung und Wissen auch bei früheren Baumaßnahmen gesammelt haben bzw. auch über die notwendigen finanziellen Mittel verfügen etwaige auftretende Probleme zu puffern ohne gleich Konkurs anmelden zu müssen. Oder denkt Ihr es ist das erste Mal, das in Deutschland sich der Baugrund entgegen der Erwartung der Bauplaner anders verhält? (Solche Unternehmen werden sich aber wohl kaum als Anhängsel von hiesigen Familienunternehmen einspannen lassen)
    Schon mal darüber nachgedacht, dass vor solchen Baumaßnahmen normalerweise von den ausschreibenden Stellen und Behörden eine sogenannte Prequalifizierung gesetzt wird, um die Bewerber auf Ihr Tauglichkeit zu überprüfen. Hier muss die sich bewerbende Baufirma / Bietergemeinschaft (mehrere miteinander vertraglich gleichberechtigte verbundene Baufirmen) nachweisen, dass sie Kenntnis über die durchzuführenden Arbeiten besitzt, über das notwendige technische Gerät verfügt bzw. in der Vergangenheit ähnlich Projekte erfolgreich abgewickelt hat. Erst nach erfolgreicher Prüfung wird sie zugelassen und ihr die Ausschreibungsunterlagen/Leistungsverzeichnis zugestellt. Danach erfolgt erst die Preisabgabe im Verhandlungsverfahren oder in einer Submission wo unter den zugelassenen Unternehmen schließlich ein Gewinner (eine Baufirma oder Bietergemeinschaft) des Vergabeverfahrens ermittelt wird (entweder durch das billigste Angebot und/oder die technisch ausgereifteste Lösung – zu berücksichtigende Sondervorschläge, etc.) Danach kann die erfolgreiche Baufirma oder Bietergemeinschaft (ab jetzt als Arbeitsgemeinschaft bzw. Arge bezeichnet) den Bauvertrag unterzeichnen und mit dem bauen beginnen.
    Um nicht nochmal auf die Schnauze zufallen, sollten sich einige einheimische Zeitgenossen über Ihre Denkweise mal Gedanken machen – auch im Hinblick auf das nächste bevorstehende größere Bauprojekt im Bereich der Scheibnerstrasse. Dort halte ich aufgrund der steileren Hanglage eine entsprechende Baugrundsicherung für noch unerlässlicher. Hoffentlich wird dies bereits jetzt in der Planungsphase berücksichtigt, denn Fehler wie an der Marktanlage dürfen sich dort aufgrund des derzeit starken öffentlichen Interesses keinesfalls wiederholen. Dies wäre nicht nur eine Blamage für Planer und die ausführende Baufirma sondern auch ein Gesichtsverlust für SWAB und Stadtverwaltung.
    Bin mal gespannt wann das erste Frühlingsgewitter die sporadisch renaturierte Deckschicht aus Humus und Bauschutt Richtung Bambergstrasse und Bahnhofstrasse ausspült. Die Anwohner dürften sich freuen, wenn so eine schlammige Bauschuttlawine Richtung Kreisverkehr schießt.

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