Annaberg-Buchholz Glück-Auf!-BLOG

Nur eine Frage der Tradition?

Konkurrenten direkt nebeneinander
Konkurrenten direkt nebeneinander

Derzeit einer der Aufreger in Annaberg-Buchholz, auch durch die Veröffentlichung in der Chemnitzer Morgenpost:
In Annaberg-Buchholz haben zwei namentlich genannte Geschäfte auf der Großen Kirchgasse Konkurrenz bekommen. Zum einen die Erzgebirgische Volkskunststube (Inhaberin Petra Ludwig) und zum anderen die Annaberger Kunststube (Inhaber Bernd Freier).

Erst einmal vorweg: Alle drei genannten Geschäfte (im Übrigen von einem Vogtländer und nicht einem Annaberger betrieben), welche Ware Made in China verkaufen sollen, befinden sich unmittelbar neben jenen beiden, welche nach diesem Bericht Ramsch-Fahnder entsenden.
Weshalb eigentlich trauen sich die beiden nicht, mit den Händlern ein persönliches Gespräch zu suchen, sondern schicken die Verwandtschaft los, um diese Läden auszuspionieren?

Heute nun wollte ich mal schauen, was nun wahr ist an der ganzen Geschichte. Zunächst unterhielt ich mich mit Frau Ludwig und war mit ihr einer Meinung, dass die Geschmäcker verschieden sind und jeder Händler verkaufen kann, was er möchte. Sie betonte jedoch, dass Schnitzereien aus Fernost auch als solche ausgezeichnet werden müssen. Auch dem ist ausdrücklich zuzustimmen.

Nun begab ich mich auf die Suche nach solchen Weihnachtsartikeln aus Fernost. Gleich im Geschäft nebenan sollen die ja zu finden sein, so nach einem Bericht der Chemnitzer Morgenpost, auf welchen sich ein anonymer Blogbetreiber natürlich sofort stürzte.

Was mir auffiel (ist ja auch logisch), dass das Sortiment in den drei Läden sich ähnelte. Ist ja auch bei echt erzgebirgischer Holz- und Volkskunst so. Was hätte ich nun in den drei Geschäften erwerben können?
Erstens: Tatsächlich Schnitzereien aus dem Riesengebirge.
Zweitens: Tatsächlich Schnitzereien aus dem Vogtland
Drittens: Tatsächlich Schnitzereien aus dem Erzgebirge.

Da mich die Inhaber bzw. Verkäuferinnen nicht kannten und ich mich bei keinem vorstellte (nur in der Annaberger Kunststube war ich nicht), konnte ich in einem lockeren Plausch so manches in Erfahrung bringen. Auch konnte ich mich in den Geschäften in aller Ruhe umschauen (waren einfach keine anderen Leute da), wobei das Sortiment eben sehr vielfältig ist. Nun bin ich aber Laie und demzufolge stellte ich viele Fragen, auch in Bezug dessen, wo denn die verschiedenen Teile hergestellt werden. Man gab mir bereitwillig Auskunft und niemand war unfreundlich zu mir. Einzigst die vielen Männeln aus Fernost habe ich nicht finden können, es sei denn, dass alles, was da in den Geschäften steht, mit falschen Zertifikaten versehen ist. Nur das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Es gab wie auch überall teure und preiswertere Artikel.

Dass nun viele Artikel nicht unbedingt hier aus unserem Umland stammen, mag sein. Dass der eine Betreiber einen Onlineshop betreibt, in welchem auch importierte Weihnachtsartikel verkauft werden, ist auch richtig. Nur für mich stellt sich die Frage: Ist es nicht jedem Händler selbst überlassen, was er wo verkauft?
Sicher, wenn es tatsächlich Waren aus Fernost und diese nicht als solche gekennzeichnet wären, würde ich mich als Kunde auch betrogen fühlen. Nur habe ich dies nicht entdecken und auch in Gesprächen nicht in Erfahrung bringen können. Mir wurde versichert, dass die Waren eben tatsächlich aus dem Riesengebirge, dem Vogtland und dem Erzgebirge stammen.

Es ist richtig, dass in Annaberg-Buchholz, der Hauptstadt des Erzgebirgskreises, die Tradition des Schnitzens sehr verwurzelt ist und auch gepflegt werden soll/muss. Muss dies aber gleich bedeutend damit sein, dass hier nichts anderes verkauft werden darf?
Und wer bestimmt, an welchen Stellen ein Händler einen solchen Laden eröffnen darf? Die Händler nebenan?

Am Ende stellt sich mir die Frage, ob da nicht jemand Konkurrenz fürchtet oder ob dies wirklich mit unserer Tradition zusammenhängt. Was wäre, wenn diese drei neuen Geschäfte von einem Annaberger betrieben würden?
Für mich als neutralen Kunden, welcher den Artikel in der Morgenpost und auf dem besagten anonymen Blog gelesen, danach die Geschäfte aufgesucht hat, stellen sich viele Fragen. Man mag kritisch dem gegenüber stehen, dass eben auch Waren aus dem Riesengebirge oder dem Vogtland hier verkauft werden. Aber ist das noch Kritik?
Ich denke nicht, denn solche Artikel bringen niemanden weiter. Im Gegenteil. Wieder einmal ist vom zänkischen Bergvolk die Rede – und diesmal spricht man nicht von Oberwiesenthal, sondern vom Erzgebirge. GLÜCK AUF!

1 Kommentar

  1. Wenn ich das lese, sieht die Sache ja schon wieder ganz anders aus. Ich finde es ja schon eine Beleidigung das Vogtland mit Chinaimporten zu vergleichen 🙂 . Aber so sind die Bergvölker. Gemeinsam geht nicht. Jeder kocht sein Süppchen.

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