Vom Erzgebirger oder vom Erzgebirgler kann man immer wieder verschiedene Publikationen lesen. Für jeden ist der Unterschied sichtbar, doch die wenigsten wissen worin er inhaltlich besteht. Mit diesem Thema beschäftigte sich der Studienrat i.R. Hugo Vogel aus Annaberg und schrieb uns (der Erzgebirgs Rundschau) einen Brief:
Erzgebirger ist ein genealogischer Begriff. Womit Menschen die im Erzgebirge, aber auch außerhalb dieses Gebietes, die seit Generationen ihre Vorfahren im Erzgebirge haben. Das er die erzgebirgische Mundart beherrscht ist ein weiteres Kennzeichen des Erzgebirgers.
Erzgebirgler ist ein ökologischer Begriff. Er fast all die, die durch Beruf, Heirat, Kriege in dieses Gebiet eingewandert sind zusammen.
In den „Wegweiser durch das Sächsische-Böhmische Erzgebirge“ lesen Sie bei Professor Bruno Berlet. Grasersche Buchhandlung Verlag Annaberg 1902 Seite 13: „Volkscharakter – Der Erzgebirger ist höflich, gefällig und im allgemeinen genügsam.“
1908 sang Anton Günther: .. „weil mer Arzgebirger sei.“
Vom Arzgebirger singt jede erzgebirgische Volkskunstgruppe.
1933 veröffentlichte der langjährige Vorsitzende des Erzgebirgsvereins, Dr. Walter Fröbe sein Werk „Ein Jahrtausend erzgebirgische Geschichte“ im Glückauf-Verlag Schwarzenberg. Darin lesen Sie auf Seite 65: „Nur selten sieht der Erzgebirger die vornehmen Zisterzienserbrüder ...“, weiter auf Seite 125: „Was die Erzgebirger bis jetzt vom großen Krieg gesehen haben ...“.
Zum Thema: „Der Butterstollen und andere Weihnachtsspeisen“ schrieb auch der anerkannte Volkskundler E. Uhle aus Annaberg. Auf Seite 261: „Da führt der sonst so bescheidene Erzgebirger ein geradezu lukullisches Leben.“
Von Professor Dr. Manfred Bachmann darf ich das ausgezeichnete Buch „Erzgebirgische Holzspielwaren“ anführen. Er spricht auf Seite 53 auch vom Erzgebirger, wenn er den alteingesessenen Bewohner dieser Landschaft erwähnt. Der Erzgebirger siedelte sich im Gebirge an. Er kam aus unterschiedlichen Landen – aus dem Meißnischen, dem Fränkischen, Hallischen Raum.
Die „Einwanderer“ kamen erst in den späteren Jahren. Damit verschob sich das Verhältnis Gebirger – Gebirgler zu einem anderen.
Na was, alles klar?
Also, der Mensch der im Erzgebirge lebt, ist ein Mensch der im Erzgebirge lebt. Ist doch ganz einfach. Der Unterschied ist doch eigentlich nur, das er Erzgebirger oder Erzgebirgler ist.
Ich selbst bin in Oberwiesenthal geboren und damit Erzgebirger. Ich habe aber 25 Jahre nicht im Erzgebirge gewohnt und bin seit 1991 wieder in die Heimat gekommen. Was bin ichnun? Sind "Wiederzugezogene" Erzgebirger oder Erzgebirgler?
Also, dass ist eine Sache mit dem Kopf. Denke und sei was du bist.
GLÜCK AUF! sagt René Goldschadt, ein Erzgebirger ;-)
PS: Danke an Manfred Riesche von der Erzgebirgs Rundschau für den ausgeborgten wissenschaftlichen Nachweis o.g. Themas. |