Frohnauer Hammer

Der Ortteil Frohnau liegt unmittelbar westlich der Kreisstadt Annaberg – Buchholz. Vom Tal der Sehma an erstrecken sich die Häuserzeilen des Ortes zwischen Strecken- und Schottenberg bis zur Dörfler Höhe. Die mittlere Höhenlage beträgt 577 m über NN. Die Besiedlung erfolgte im Zuge der deutschen Ostkolonisation in den Jahrzehnten um 1200. 16 Bauern rodeten in mühevoller Arbeit den Wald an den steilen Berghängen. Es entstand ein Waldhufendorf, das noch heute diese Siedlungsstruktur erkennen läßt.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Frohnau 1397 in einer burggräflichen Urkunde. Die anfängliche Schreibweise „Fronawe“ (mittelhochdeutsch: fro=Herr, ouwe=Aue) bezeichnet den Besitz des Grundherren. Ins Licht der Geschichte trat das damals vielleicht 100 Bewohner zählende Frohnau am Ende des 15.Jahrhunders. Irgendwann zwischen Herbst 1491 und Frühjahr 1492 entblößte der Frohnauer Einwohner Caspar Nietzelt einen silbererzhaltigen Gang am linken Sehmaufer. Das Auffinden weiterer reicher Silbererzlagerstätten löste eine bergmännische Siedeltätigkeit aus, die kurze Zeit später zur Gründung von Annaberg führte.

An der Stelle, an der sich heute das Frohnauer Hammerwerk befindet, errichtete ein mutiger Müller wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts eine Getreidemühle. Die ersten Nachrichten von der Mühle erreichten uns nach 1492 als zu Frohnau in des Müllers Garten die Berggerichte abgehalten wurden. An eben diesen Ort traf sich 1496 die Kommission, die über die planmäßige Anlage der Neustadt am Schreckenberg, ab 1501 Annaberg, beriet. Wenige Jahre nach den großen Silberfunden erbrachten die Bergwerke eine überaus reiche Ausbeute. Man war bemüht, das gewonnene Silber an Ort und Stelle zu vermünzen. Dabei kam abermals die Frohnauer Mühle ins Gespräch.

Von 1498 bis 1502 schlug man dort oder in einem Nebengebäude die Schreckenberger, eine nach dem Fundort des Erzes benannte Silbermünze. Bis ins 17. Jahrhundert wurde das Gebäude des späteren Hammerwerkers weiterhin als Mühle, dann als Scherenschmiede; Silber- und Kupferhammer genutzt. Mit dem Ausbau zum Eisenhammer erhielt es 1657 seine heutige Gestalt.

Das Hammerwerk war in den folgenden Jahrhunderten im Besitz der Hammermeisterfamilien Fischer, Clauß und Martin. Zum Hammer kamen im Laufe der Zeit umfangreiche Besitzungen an Wiesen, Wald und Feldern dazu, so daß er zu Anfang des 19. Jahrhunderts den stattlichen Wert von 2000 Talern verkörperte. Die Arbeit in der Schmiede wurde im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ständig unproduktiver. So mußte 1895 der regelmäßige Betrieb eingestellt werden, und 1904 erfolgte die vollständige Stillegung.

In der Absicht, das alte Hammerwerk für das Erzgebirge zu erhalten, gründete eine Gruppe heimatverbundener Männer 1907 den Hammerbund Annaberg e.V. Im darauffolgenden Jahr erwarb der Verein das gesamte Anwesen des Frohnauer Hammers und leistete erste Schritte zu dessen Erhaltung ein. Im Erdgeschoß des Herrenhauses wurde eine Gaststätte eingerichtet, im Obergeschoß entstand ein kleines Heimatmuseum. Infolge des Zweiten Weltkrieges und der Wirren der Nachkriegszeit war der Frohnauer Hammer erneut vom Verfall bedroht. Anfang der 50er Jahre wurde durch aufwendige Bau- und Rekonstruktionsarbeiten der Zerfall gestoppt und das Technische Museum Frohnauer Hammer begründet.

Die Gäste, die das heutige Technische Museum „Frohnauer Hammer“ besuchen, können die alte traditionelle Technik des 17. Jahrhunderts hautnah erleben. Die Energiequelle des Hammerwerkes ist die Wasserkraft. Ein oberschlächtiges Wasserrad überträgt die Kraft auf riesige Hammerwelle. Auf dieser sitzen drei Nockenringe, deren Nocken das Schwanzende des Hammerstieles nach unten drücken. Dadurch wird der am anderen Ende des Stieles aufgekeilte Hammerbär ausgehoben. Der Hammerschwanz stößt an eine Stahlplatte, die ihn augenblicklich zurückfedern läßt, so daß der Kopf des Hammers auf den Amboß schlägt.

Drei Hämmer mit einem Eigengewicht von 100, 200 und 250 kg lagern in dem hölzernen Stempelgerüst, wobei der kleinste in Funktion vorgeführt wird. Ebenso zu sehen sind die beiden Blasebälge, die durch ein Gestänge in Bewegung gesetzt werden. Die Blasebälge drücken Luft in die Holzkohlefeuer, in denen Roheisen gefrischt oder Schmiedebrucheisen geschmolzen wurde. In einem Nebengebäude treibt ein weiteres Wasserrad über Transmission eine Freihand-Drehmaschine und eine Bohrspindel an. Dieses Rad ist mit einem Schleifstein gekoppelt, der gleichzeitig als Schwungmasse dient. In zwei kleinen Räumen im Obergeschoß des Hammerwerkes können sich die Besucher über die Produktion des Hammers informieren.

Etwa die Hälfte der hergestellten Teile, wie Schlegel, Keile, Bohrer, Gießlöffel und eiserne Maschinenteile, lieferte man an Betriebe des Berg- und Hüttenwesens. Weitere Auftraggeber waren der sächsische Hof in Dresden (Kunstschmiedearbeiten) sowie die Land- und Forstwirtschaft. Dem Museum angeschlossen ist die Volkskunstgalerie. Hier gewinnen unsere Gäste einen Einblick in das traditionsreiche bildnerische Schaffen der obererzgebirgischen Bevölkerung. Besonders der Volkskunst des Schnitzens widmet sich die Ausstellung, die vor allem Arbeiten des Frohnauer Schnitzvereins vorstellt. Auch die Sonderausstellungen des Museums finden in den Räumen der Volkskunstgalerie statt.

Als letzte Abteilung des etwa einstündigen Rundganges betritt man das 1697 fertiggestellte Herrenhaus. Das repräsentative Gebäude zählt zu den bekanntesten und schönsten Fachwerkbauten des Erzgebirges. Im ersten Stock sind die Wohnräume der Hammerherrenfamilie Martin aus dem 19. Jahrhundert erhalten. Besonders erwähnenswert ist hier ein stehender Kachelofen mit weißgrün glasierten Kacheln, kronenartigem Aufbau und flämisch gedrehten Doggen von 1720. Eine Klöpplerin führt in der sogenannten Klöppelstube die traditionelle Technik des erzgebirgischen Klöppelns vor. Gegenüber bietet der Souvenirstand des Museums Artikel des erzgebirgischen Kunsthandwerkes zum Kauf an.

Im Erdgeschoß des Herrenhauses lädt die Traditionsgaststätte „Frohnauer Hammer“ abschließend zum Verweilen ein. Bei Voranmeldung bieten wir Schauschmiedeveranstaltungen nach 17 Uhr an. Hierbei können die Besucher das Schmieden bei Fackelschein im Hammerwerk erleben. Dazu gibt es ein kleines Schmiedegesellenfrühstück (Brot, Schinkenspeck und Korn).

Abschließend werden die Gäste mit dem Schnitzen und Klöppeln im Erzgebirge bekannt gemacht.

Zeittafel zur Geschichte des Frohnauer Hammers

  • um 1200   Besiedlung des oberen Erzgebirges und Gründung des Ortes Frohnau
  • 1397 Ersterwähnung von Frohnau in einer burggräflichen Urkunde
  • 5. Jahrhundert Jh.  Errichtung einer Getreidemühle in Frohnau
  • 1491/92  Entdeckung der reichen Silbervorkommen am Schreckenberghang links der Sehma
  • 1492-1503  Die Berggerichte tagen zu Frohnau in des Müllers Garten.
  • 1495/96  Ebendort berät eine von Herzog Georg beauftragte Kommission über die planmäßige Anlage der neuen Stadt am Schreckenberg, ab 1501 Annaberg.
  • 1498-1502   Ein Nebengebäude der Frohnauer Mühle dient als Münzstätte zur Prägung der sogenannten Schreckenberger.
  • 1553 Die Zuständigkeit für die Mühle geht vom kurfürstlichen Mühlenamt auf den Rat der Stadt Annaberg über.
  • 1572 Einrichtung von vier Mahlgängen in der Mühle nach ihrer Rückgabe an Wolf Ragewitz (Schlösser zu Grünhain) und Franz Fischer (Mühlenvogt zu Annaberg).
  • ab 1590   Stillstand und Verfall der Mühle
  • 1611  Martin Fischer aus Aue erwirbt die Getreidemühle und nutzt sie als Ölmühle und Schleifwerk.
  • 1616   Christoph Fischer aus Annaberg beabsichtigt die Einrichtung eines Eisenhammers.
  • 1621   Mit kurfürstlicher Unterstützung wird die Mühle zu einem Silberhammer umgebaut, der bis 1623 in Betrieb war.
  • 1629  Stephan Hager, ein Exulant aus der Steiermark, kauft das Hammerwerk und richtet eine Scherenschmiederei ein.
  • 1632   Jakob Kemnitzer übernimmt das Werk und betreibt es bis 1641 als Kupferhammer.
  • 1657 Die Beauftragten des Kurfürsten verkaufen nach 16-jährigem Stillstand das Hammerwerk an den Annaberger Kaufmann Gottfried Rubner, der es zu einem Zain-, Zeug- und Schaufelhammer umbauen lässt.
  • 1660 Verpachtung der nunmehrigen Eisenhammerwerkes an den Tuchscheren- und Sensenschmied David Martin.
  • 1663 Der Zainschmied Christoph Fischer aus Elterlein kauft den Hammer und vererbt ihn erstmals innerhalb seiner Familie weiter.
  • 1684  Der vormalige Pächter, der Zain- und Zeugschmied Johann Clauß, erwirbt das Hammerwerk. Seine Nachkommen (Johann Abraham, Johann Friedrich und abermals Johann Abraham Clauß) führen es in den folgenden Jahrzehnten zu seiner höchsten Blüte.
  • 1786 Jacob Martin, Zainschmied aus Oberschöna bei Freiberg und Schwiegersohn des letzten Clauß‘, kauft den Frohnauer Hammer, der später auf seine Söhne Johann Gotthold und Johann Wilhelm (ab 1811) übergeht.
  • 1857  Der letzte Hammermeister Wilhelm Gustav Martin übernimmt das Werk mitsamt dem Anwesen. Ihm ist es vor allem zu danken, daß der Hammer später nicht dem Abriss preisgegeben wurde.
  • 1895  Einstellung des regelmäßigen Betriebes
  • 1904 Vollständige Stilllegung und Beginn der Epoche der Erhaltung des Frohnauer Hammers unter denkmalspflegerischen und musealen Gesichtspunkten
  • 1907  Der Bezirksverband der Amtshauptmannschaft Annaberg sichert sich das Vorkaufsrecht für den Hammer.
  • 1908    Der gemeinnützige Hammerbund Annaberg e.V. finanziert den Kauf des Komplexes mittels Anteilscheinen, Spenden, Beiträgen, Krediten und einer Lotterie – das este technische Denkmal Sachsens ist geboren! Das sogenannte Herrenhaus erhält die Schankerlaubnis und im Obergeschoss ein kleines Heimatmuseum.
  • 1925   Das Hammerwerk kann wieder in Funktion vorgeführt werden.
  • 1938  Nach der Auflösung des Hammerbundes geht die Verwaltung und das Eigentum am Hammer auf das Heimatwerk Sachsen über.
  • 1946  Eigentümer des Frohnauer Hammers wird das Institut für Volkskunde der Landesverwaltung Sachsen.
  • 1947-1952  Die SAG (Sowjetische Aktiengesellschaft) WISMUT, deren Objekt 13 sich in unmittelbarer Nähe befindet, nutzt die Gebäude des Hammers.
  • 1951  Die Konzession zur Bewirtschaftung der Gaststätte erhält Albert Piltz, der 1954 zum ersten hauptamtlichen Museumsleiter des Frohnauer Hammers berufen wird.
  • 1952/53  Es erfolgt eine umfassende Rekonstruktion des gesamten Komplexes mit maßgeblicher finanzieller Unterstützung des Staatssekretariats für Kunstangelegenheiten in Berlin.
  • 1953 Der Rat des Kreises Annaberg erhält die Rechtsträgerschaft über den Frohnauer Hammer. Die Gaststätte wird von der volkseigenen Handelsorganisation (HO) übernommen.
  • 1957  Schaffung eines Museumsrundganges
  • 1962 Eröffnung der Abteilung Produktion über dem Hammerwerk
  • 1964 Übergabe der neugebauten Volkskunstgalerie
  • 1968 Die Rechtsträgerschaft am Frohnauer Hammer geht auf die Gemeinde Frohnau über.
  • 1982 Der fünfmillionste Gast besucht das bekannte technische Museum.
  • 1986 Wiedereinrichtung der historischen Modellbauwerkstatt
  • 1990 Wiedergründung des nunmehrigen Hammerbundes Frohnau e.V. Übertragung der Gaststätte an einen privaten Pächter
  • 1996   Mit der Eingemeindung des Ortes Frohnau geht der Hammer in den Besitz der Stadt Annaberg-Buchholz über.

Informationen

Bergwerke
Museum Frohnauer Hammer

 

OT Frohnau
Sehmatalstraße 3
09456 Annaberg-Buchholz

Tel.: 03733 – 22000
Fax: 03733 – 671277

E-Mail-Adresse: hammer@annaberg-buchholz.de

Öffnungszeiten:

Täglich von 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr
Mai – 31. Oktober: Letzte Führung 16.30 Uhr!

Schließtage: 1. Januar / 24. Dezember / 25. Dezember / 31. Dezember