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Ausstellung zu Rudolf Köselitz

[flickr]set:72157630678986978[/flickr]Am heutigen Samstag wurde im Haus des Gastes Erzhammer zu Annaberg-Buchholz um 11:00 Uhr eine Ausstellung eröffnet, welche in meinen Augen das Prädikat „besonders wertvoll“ verdient. Zwar bin ich ja nun nicht gerade der große Kunstkenner, aber was dort an Werken des tatsächlich fast vergessenen Annaberger Maler und Grafiker Rudolf Köselitz (1861 – 1948) gezeigt wird, lässt selbst einen Kunstbanausen wie mich erstaunen.

Eines vorweg: diese Ausstellung sollte man tatsächlich in aller Ruhe genießen und auf sich wirken lassen. Dann versteht man auch die Worte des Laudators Prof. Gotthard B. Schicker, der zu Recht darauf aufmerksam machte, dass es keine ständige Ausstellung dieses Künstlers in Annaberg-Buchholz gibt. (siehe Video)

Nach der Eröffnung fing ich noch etwas die Stimmung im kleinen Saal des Erzhammers ein und ließ das Ganze ein wenig auf mich einwirken. Aus Gesprächen der zahlreichen Gäste konnte ich erhören, wie sehr eigentlich die „Kulturhaupstadt des Erzgebirges“, wie es Herr Schicker ausdrückte, nach solchen Höhepunkten lechzt. Dabei staunte ich immer wieder, was man alles aus nur einem einzigen Bild lesen bzw. wie man ein solches völlig verschieden interpretieren kann. Da wurde ich gleich wieder an den Spruch „Über nichts lässt es sich trefflicher streiten als über Kunst.“ erinnert.
Auffallend aber: es war keine einzige negative Kritik zu den Bildern zu hören. Manchmal ist man ja auf Ausstellungen, wo man dann Worte wie „Kitsch“ oder Sätze wie „Naja, das ist eben Kunst.“ hört, weil man diese einfach nicht versteht. In dieser Ausstellung ist es anders. Man muss sie nicht „verstehen“, sondern man sieht sie. Und dann entscheidet man, ob schön oder nicht schön. Man entscheidet nicht einmal, ob gut oder schlecht, denn dies lässt diese Ausstellung in meinem Empfinden gar nicht zu.

Besuchen Sie also selbst einmal den kleinen Saal im Erzhammer und sehen Sie selbst, zu was für Arbeiten ein fast vergessener Künstler einst in der Lage war. Die Ausstellung ist noch bis zum 21. August 2012 täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.
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httpvh://www.youtube.com/watch?v=jA4KpbCAJfw
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Kurzbiografie von Rudolf Köselitz (aus dem Flyer zur Ausstellung):
1861: am 23. Oktober in Annaberg geboren als elftes Kind des Vizebürgermeisters der Stadt, Herrmann Köselitz und Frau Karoline, geborene Grimmer

1868 – 1876: Besuch der Annaberger Realschule

1877 – 1881: Mit 15 Jahren Studium an der Leipziger Kunstakademie, zwei Italienreisen

1881 – 1886: Studium mit Abschluss an der Münchner Akademie der Bildenden Künste, Lehrer: Karl Theodor von Piloty, Alexander Strähuber, Otto Seitz und der ungarische Maler Gyula Benczur

1886 – 1900: Dredner Jahre, hauptsächlich Porträtmalerei
Humoristische Buch-Illustrationen, Pastelle und Aquarelle zu Erzgebirgsthemen

1889: Zwölf seiner Werke auf der Großen Berliner Kunstausstellung

1890: Über 250 Illustrationen zu den Schaumburgischen Geschichten aus dem oberfränkischen Dorfleben

1898: Aquarelle u.a. „Die Herrenmühle bei Frohnau“, „Altes Hammerwerk im Erzgebirge“

1900: Übersiedlung nach München

Ab 1901: Beteiligung an allen großen Kunstausstellungen im Münchner Glaspalast, Mitglied der Münchner Künstler-Genossenschaft, Ausstellung in der Berliner Nationalgalerie u.a. „Inneres eines Hammerwerkes“ neben Adolf von Menzels „Eisenwalzwerk“

1904: Gilt als einer der Begründer der Aquarell-Technik in Deutschland, Mitbegründer des Vereins Münchner Aquarellisten

1906: „Selbstbildnis“ und Porträt seines Freundes des „Letzten Hammerherren des Frohnauer Hammers“ Gustav Wilhelm Martin

1910: Umzug nach Altfreimann bei München.
Illustrationen zu8m Heikgohmdlied werden als Liedpostkarten vertrieben

1818 – 1823: Grafische Arbeiten und Buch-Illustrationen u.a. zu Erzgebirgs-Texten von Anna Wechsler, Emil Finck und Anton Ohorn

1921: Würdigung in der Münchner Öffentlichkeit anlässlich seines 60. Geburtstages

ab 1930: Zunehmender Verfall seiner materiellen und künstlerischen Existenz

1945: Schlaganfall zerstört Sprachzentrum und fesselt ihn ans Bett

1948: Am 21.01. stirbt Rudolf Köselitz in Altfreimann bei München

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