Geschichte und Tradition

– Die Geschichte eines großen sächsischen Volksfestes von Herzog Georg dem Bärtigen bis zur Gegenwart –

Wenn sich in jedem Jahr zwei Wochen nach Pfingsten für neun Tage die Pforten der ANNABERGER KÄT öffnen und Action, Fun und Nervenkitzel wieder Hunderttausende Gäste in ihren Bann ziehen, dann denkt der Einzelne wohl recht wenig über die Umstände nach, die das heute größte Volksfest des Erzgebirges begründeten. Trotzdem, dass es die „KÄT“ schon fast ein halbes Jahrtausend gibt, hat sie über die Jahrhunderte nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Im Gegenteil, inzwischen gehört sie, zumindest nach Meinung des deutschen und des europäischen Schaustellerverbandes, zu den „TOP TEN“ derartiger Volksfeste in Deutschland.

Dem Stadtgründer Herzog Georg dem Bärtigen, einem durchaus modern denkenden Landesherren, ist es zu verdanken, dass sich ein solch großes Fest wie die „KÄT“ in Annaberg etablieren konnte. Von Anfang an kümmerte er sich persönlich um die Entwicklung seiner Lieblingsstadt. Bereits zum Ende des 16. Jahrhunderts gab es im Zusammenhang mit großen Silberfunden ein gesteigertes Interesse des albertinischen Wettiners an der Region. Auf seine Initiative wurde am 21. September 1496 die „Neue Stadt am Schreckenberg“, das spätere Annaberg, gegründet. In der Folge förderte er z. B. die Ansiedlung eines Klosters, den Bau der St. Annen-Kirche sowie den Silberbergbau in Stadt und Region.

Um seine Stadt noch mehr aufzuwerten und zum Zentrum des oberen Erzgebirges zu entwickeln, stellte er gemeinsam mit dem Stadtrat und der Geistlichkeit beim Papst in Rom den Antrag, dem Annaberger Gottesacker eine besondere Weihe geben zu dürfen. Hintergrund dieses Ersuchens war es, damit eine Wallfahrt nach Annaberg zu begründen, eine Art histo-rischer PR-Strategie. Am 5. Juni 1517 wurde den sächsischen Gesandten beim Papst, Carl von Miltitz und Dr. jur. Nicolaus von Hermersdorf die Zustimmung des Papstes mitgeteilt.

Eigens dazu wurde eine päpstliche Bulle (Schriftstück) ausgefertigt, die auswies, dass der mit heiliger Erde geweihte Gottesacker von Annaberg denselben Segen zu spenden vermag als der „Campo Santo“ in Rom. In der damaligen katholischen Lehre bedeutete dies, dass jedem hier begrabenen, reuigen Sünder Ablass von den Sünden gewährt wird und ihm das Fegefeuer erspart bleibt. Am 25. August 1517 erhielten die sächsischen Gesandten für das Versprechen, jährlich ein Almosen für das Marienhospital in Rom zu geben, heilige Erde von den Vorstehern des Hospitals. Zwei Tage später wurde dieser Akt durch eine päpstliche Übertragungsurkunde besiegelt.
Privilegien und Indulgentien – der Ablass von den Sünden – wurden mit der heiligen Erde auf den Annaberger Friedhof am Hospital übertragen. Nikolaus von Hermersdorf überbrachte im Anschluss daran Urkunde und Erde nach Annaberg.

Am 12. Dezember 1517 wurde die empfangene päpstliche Gnade durch den zuständigen Bischof von Meißen, Johann VI. von Schleinitz per Approbation anerkannt. Durch den Tod des Bischofs am 4. April 1518 verzögerte sich jedoch die Weihe des Annaberger Gottesackers. Nachdem dessen Nachfolger, Johann der VII., sein Amt angetreten hatte, gab es am 27. Oktober 1519 eine große Weihefeier, bei der der Landesherr, Herzog Georg der Bärtige, und der Bischof persönlich zugegen waren. Tags darauf wurde in feierlicher Prozession und unter Beteiligung zahlreicher Gäste die heilige Erde von St. Annen zum Friedhof überführt. Die sächsischen Gesandten am päpstlichen Hof, Carl von Miltitz und Nicolaus von Hermersdorf trugen dabei die päpstliche Gnadenbulle und die Truhe mit dem kostbaren Inhalt. Im Anschluss wurde der Friedhof von Bischof und Priestern bestreut und mit dem Abbrennen von Weihrauch, dem Benetzen mit Weihwasser und dem bischöflichen Segen der heiligen Dreifaltigkeit geweiht. Verbunden damit war die Erklärung des Gottesackers zum heiligen Feld. Danach verkündete der Lehrer des Landesherrn, Dr. Paul Schüller, den Inhalt des päpstlichen Dokumentes dem anwesenden Volk und mit einem Hochamt fand die Zeremonie in der St. Annenkirche ihren Abschluss.

Ab dem Jahr 1520 gab es daraufhin, jeweils zum Trinitatisfest, – dem Fest der heiligen Dreieinigkeit von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist – eine Wallfahrt nach Annaberg. Dabei wurde an der St. Trinitatiskirche ein großes Hochamt gefeiert, verbunden mit der Gewährung des Ablasses, der Sündenvergebung. Wie bei fast allen Wallfahrten entwickelte sich im Umfeld der Dreieinigkeitsmarkt, ein reges Markt- und Messetreiben, das der Verpflegung und Unterhaltung der Wallfahrer diente. Hier ist auch der Ursprung des Namens „KÄT“ zu suchen. Die Erzgebirgler nannten das bunte Treiben in ihrem Dialekt den „DREIÄNICHKÄTSMARKT“ und den kirchlichen Feiertag das „DREIÄNICHKÄTSFAST“. Durch eine Verballhornung dieser Wörter reduzierte sich dieser Begriff im Laufe der Jahrhunderte auf das Kurzwort „KÄT“.

Nachdem am 4. Mai 1539 die Reformation auch in Annaberg Einzug hielt, wandelte sich die Wallfahrt in eine evangelische Totengedächtnisfeier und zum Kirchweihfest der St. Trinitatiskirche. Von 1539 bis 1684 wurden dazu regelmäßige Gottesdienste im Freien unter dem Friedhofskreuz abgehalten. Ab 1685 predigte der Pfarrer von einer, an der Außenseite der Kirche befindlichen Kanzel, die es auch an der im Jahr 1829 nach Brand neuerbauten Kirche wieder gab.
Im Umfeld des Kirchweihfestes entwickelte sich ähnlich wie bei der Wallfahrt der Trinitatismarkt. Hier gab es neben der Verpflegung für die Gäste verschiedene Belustigungen und Sehenswürdigkeiten für Jung und Alt. Dabei wurden für das Fest spezielle Eßwaren, die sogenannten Fössel- oder Fesselkuchen, eine Art Pfefferkuchen, hergestellt.

Wachsende Besucherresonanz- mehrfache Erweiterung der „KÄT“

Der Festplatz befand sich stets außerhalb des Friedhofes in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche im Bereich des Wolkensteiner Tores. Im Laufe der Jahrhundert wandelte sich der Charakter des Festes mehr und mehr zum Vergnügungs- und Wirtschaftsmarkt.
Aufgrund des wachsenden Zustromes verlegte man im Jahr 1861 den Festplatz in Richtung der Gemeinde Geyersdorf auf den ehemaligen Exerzierplatz. Den damaligen Charakter der „KÄT“ verdeutlicht ein Blick in die Liste der Schausteller von 1861. Eine Menagerie mit Elefanten, Tigern, Löwen und weiteren exotischen Tieren gab es dabei ebenso wie ein Wachsfigurenkabinett, wo historische Persönlichkeiten vorgestellt wurden. Außerdem versuchte man mit einem Naturalienkabinett, zwei „Carousells“ und zwei „Polzenschießanlagen“ die Gunst des Publikums zu erwerben. Daneben gab es manches für Leib und Magen. Aufgrund dessen, dass sich das Fest ständig erweiterte und von Jahr zu Jahr größer und volkstümlicher wurde, beschloss der Annaberger Stadtrat im Jahr 1863, die „KÄT“ auf eine Dauer von acht Tagen auszudehnen.

Mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie Annaberg-Chemnitz am 1. Februar 1866 war eine weitere Belebung des Volksfestes verbunden. Im Zuge dessen kam es bereits 1869 zur nochmaligen Verlegung der „KÄT“ auf den Schießhausplatz am Schützenhaus, dem heutigen Kätplatz.

Im gleichen Jahr verzeichnete die Stadt 37 Taler, 21 Neugroschen und 5 Pfennige an Einnahmen für die Vermietung des Platzes an insgesamt 33 Händler und Budenbesitzer. Vor 104 Jahren verzeichnete man bereits am ersten Sonntag ca. 20.000 bis 30.000 Besucher.

Kät auf dem Schützenplatz um 1895

Ein Chronist schreibt dazu im Annaberger Wochenblatt vom 11. Juni 1895: …herrschte Nachmittags auf dem Platze eine Fülle, die dem Zustande in einer wohlgefüllten Heringstonne verzweifelt ähnlich war… .

Seit 1923 gab es parallel zur „KÄT“ verschiedene Sonderveranstaltungen, wie Festzüge, Kinderfeste, Luftballonaufstiege und Feuerwerke. Im Jahr 1936 wurde der Kätbeginn um eine Woche auf den jetzt schon traditionellen Termin vierzehn Tage nach Pfingsten verschoben. Der Zustrom von Gästen, Schaustellern und Händlern nahm ständig zu, so dass man im Jahr 1938 150 verschiedene Unternehmen zählte. Auch zu DDR-Zeiten verlor die „KÄT“ nicht an Popularität, wobei sich allerdings die Beschaffung eines entsprechenden Angebotes für die anwesenden Händler oft zum Problem gestaltete.

Nach 1989 gab es einen maßgeblichen Attraktivitätsschub für das Volksfest durch zahlreiche High-Tech-Fahrgeschäfte, die sich mehr und mehr das größte erzgebirgische Volksfest interessierten. Das „Sensorium“, „Magic-Mountain & King Kong“, der „Top of the World” und der “Euro-Star” sind vielen Bürgern noch in guter Erinnerung. Heute sind jährlich ca. 100 Anbieter vertreten, wobei im Blick auf die etwa 500 bis 600 eingehenden Bewerbungen der Platz fünfmal so groß sein könnte. Die Zahl der Gäste bewegte sich meist bei zirka 400.000, was im Blick auf die Lage von Annaberg-Buchholz und das vorhandene Einzugsgebiet eine sehr gute Resonanz bedeutet. Durch das Gastspiel des “Euro-Stars” und verschiedene große Aktionen wurde 1999 mit etwa 500.000 Gästen ein Besucher-Rekord aufgestellt.

Nach den Aussagen des deutschen und europäischen Schaustellerverbandes zählt die „Annaberger KÄT“ zu den größten und traditionsreichsten Volksfesten dieser Art in der gesamten Bundesrepublik. Die „KÄT“ ist auch nach fast 500 Jahren jung geblieben, zum Besuch wärmstens zu empfehlen.

Text: Matthias Förster – Pressestelle der Großen Kreisstadt Annaberg-Buchholz