Alles zu Weihnachten

75 Jahre Ortspyramide Frohnau, die erste erzgebirgische Freilandpyramide

Die erste erzgebirgische Freilandpyramide 1933 in Frohnau.
Die erste erzgebirgische Freilandpyramide 1933 in Frohnau.

Die Erzgebirgische Weihnachtspyramide in der heute noch üblichen Form, angetrieben von Kerzenwärme mittels eines durch aufsteigende Warmluft in Bewegung gesetztes Flügelrad ist etwa seit Beginn des 19. Jahrhunderts bekannt. Seit 1817 gibt es gesicherte Hinweise dafür. Ursprünglich wurden sie auch als „Drehtürme“ oder „Feuermaschinen“ benannt.
Die älteste bekannte Stufenpyramide ist die sogenannte „Lenzsche Pyramide“, welche im Erzgebirgsmuseum Annaberg-Buchholz zu sehen ist. Über ein Jahrhundert blieben die Weihnachtspyramiden dem Innenraum als gemütlicher volkskünstlerischer Weihnachts-schmuck vorbehalten.
Nach der Überlieferung hatte der letzte, im Ruhestand lebende Frohnauer Steiger Traugott Pollmer bereits 1926 die Idee, eine „Pyramide für Alle“ im Freien aufzustellen.
Er starb 1928, aber seine Idee wurde posthum doch noch verwirklicht. Dafür sorgte der Schnitzverein Frohnau gemeinsam mit Hilfe von ansässigen Handwerkern und dem Gemeinderat. Aktive Schnitzer waren unter anderen der Vereinsvorsitzende Paul Kirchhoff, Curd Petzold aus Buchholz, Emil Markert, Paul Richter und der später sehr berühmte professionelle Schnitzer Paul Schneider.

Die hölzerne Ortspyramide Frohnau wurde ab 1931 erbaut. Nach der Fertigstellung erfolgte die feierliche Einweihung im Beisein vieler Einwohner, des Schulkinderchores und zweier Gesangsvereine am 17. Dezember (3. Advent) 1933 mit der Übergabe. Bürgermeister Nestler übernahm das Werk „ in den Schutz der Gemeinde“ für alle Bürger.
Sie war die erste erzgebirgische Freilandpyramide, die es je gab und stand gut sichtbar vor dem Gemeindeamt.
Die zweite Freilandpyramide ist bekanntlich im Jahre 1934 in Schwarzenberg errichtet worden. Sie existiert nach mehrfacher Restaurierung noch heute. Erst in den 60iger Jahren wurden zunehmend mehr und mehr Freilandpyramiden im Erzgebirge aufgestellt, unter ihnen die Marktpyramide in Annaberg-Buchholz von Holzbildhauer Werner König von 1969.

Die Frohnauer Pyramide hatte eine Höhe von 4,75 m und bestand aus 4 Etagen. Sie wurde elektrisch betrieben und beleuchtet und jeweils um 21 Uhr abgeschaltet. Bestückt war sie mit geschnitzten und bemalten Flachfiguren, das heißt aus Brettchen ausgesägten Figuren mit beschnitzten, gebrochenen Kanten.
Der weiße Grundanstrich war blau abgesetzt mit goldbronzenen Verzierungen versehen. Folgende Figurenbestückung ist bekannt:

  • unterste Etage: Kamele und Kameltreiber
  • zweite Etage: Geburt Christi mit den heiligen 3 Königen
  • dritte Etage: Schafe und Schafhirten
  • vierte Etage: Bergleute
  • in der Krone: musizierende Engel

Das Pyramidengestell wurde nach Vorgaben des Schnitzvereins vom Stellmachermeister Felix Lötzsch aus Cunersdorf angefertigt. Leider wurde die Pyramide nur 2 Jahre aufgestellt. Der Vereinsvorsitzende und Ortspolizist Paul Kirchhoff wurde zu einer neuen Dienststelle versetzt. Es gab Streitereien zwischen Anhängern der NSDAP und den überwiegend SPD-Sympathisanten im Verein, Infolge davon wurden die Teile auf ihre Hersteller aufgeteilt und bei verschiedenen Schnitzern eingelagert. Einiges davon beim Stellmacher Oskar Weber am Frohnauer Hammer. Der Antrieb blieb im Gemeindeamt. Heute ist über den Verbleib der Teile nichts mehr bekannt.

Der 1954 gegründete Frohnauer Schnitzzirkel, geleitet von Johannes Meier, beabsichtigte nicht, eine neue Ortspyramide anzufertigen, da der von Ihnen gefertigte große Schwibbogen vor der Volkskunstgalerie (hergestellt von den Schnitzern Helmar Spindler, Volker Böttcher und Johannes Meier) damals als ausreichender Weihnachtsschmuck angesehen wurde.

Angeregt durch die zunehmende Herstellung von Freilandpyramiden im Erzgebirge (bereits ca. 200 Pyramiden waren Mitte der 80iger Jahre in verschiedensten Ortschaften vorhanden), beschloss der Frohnauer Schnitzzirkel im Jahre 1986 unter Leitung von Holzbildhauermeister Dietmar Lang den Bau einer neuen Ortspyramide.

Die Grundidee war, diese Pyramide, welche direkt neben dem Frohnauer Hammer aufgestellt werden sollte, in schlichter Göpelwerksform mit Schindelähnlicher Abdeckung zu fertigen. Es war eine Höhe von 5,50 m vorgesehen.
An Stelle der ursprünglich geplanten gedrechselten Figuren entschloss sich die Schnitzgruppe, hochwertige in Lindenholz geschnitzte Figuren zu fertigen. Als Vorlage dienten die Darstellungen auf dem Annaberger Bergaltar in St.Annen von Hans Hesse.
Die Gestaltung dieser Figuren war naheliegend, da der berühmte Tryptichon den Silberbergbau in Frohnau an und auf dem Schreckenberg darstellt.

Die aufwendigen aus Lindenholz geschnitzten und bemalten Figuren zwischen 50 und 76 cm
wurden erst nach mehr als 3 Jahren fertig.

Die an den Figuren der Pyramide beteiligten Schnitzer waren in alphabetischer Reihenfolge des Familienamens:
Thomas Bauer, Volker Böttcher, Peter Buschmann, Thomas Geissler, Albrecht Günter
Olaf Günter, Dietmar Lang, Werner Siegel , Helmar Spindler

Das Gestell der Pyramide wurde von den damaligen 18 Mitgliedern der Schnitzgruppe gemeinsam entworfen und gebaut. Die Metallarbeiten und den Antriebsmechanismus fertigte der Frohnauer Maschinenschlossermeister Christof Schiefer.

Die feierliche Einweihung und Übergabe der Pyramide erfolgte am 30.11.1989 bei Schneetreiben.
Den jährlichen Auf- und Abbau der Pyramide sowie die Instandhaltung und Restaurierung der Figuren haben seither die Mitglieder der Frohnauer Gruppe des Schnitzvereins „Paul Schneider“ übernommen. Inzwischen wurden im Rahmen der Restaurierungen bereits 4 Figuren nach dem Original neu angefertigt und ausgetauscht. Das jährliche Pyramidenanschieben am Freitag vor dem 1.Advent ist inzwischen zu einer beliebten Tradition in Frohnau geworden und zieht viele Besucher aus Nah und Fern in seinen Bann.
In diesem Jaht wurde die Pyramide am 15. November aufgebaut. Die Figuren kommen am Tag des Pyramidenanschiebens dazu. Anschieben ist am Freitag, den 28.11.08, ab 18.30 Uhr.
Zum 75. Jubiläum erwarten wir zahlreiche Gäste und Zuschauer.

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